DAS NORDLICHT
Die Polarnacht
Mitten
im Winter erhebt sich die Sonne im nördlichen Lappland gar nicht, im
südlichen Teil nur für wenige Stunden pro Tag über den Horizont. Diese
Zeit nennen die Finnen „kaamos“, man spricht auch von der Polarnacht.
In äußersten Norden Finnisch-Lapplands dauert „kaamos“ 51 Tage.
Dennoch ist dies keine Zeit völliger Dunkelheit. Dank des Schnees
zeichnet sich alles gegen einen weißen Hintergrund ab, der jedes noch
so schwache Licht reflektiert: Mond und Sterne, aber aus das Nordlicht.
Das Nordlicht
Das
Nordlicht ist ein Lichtphänomen, das in der nördlichen und südlichen
Polarregion in klaren, dunklen Nächten zu beobachten ist. Die
wissenschaftliche Bezeichnung ist Aurora Borealis (im Norden) bzw.
Aurora Australis (im Süden). Es entsteht normalerweise in etwa 100 km
Höhe, wenn von der Sonne herrührende magnetisch geladene Teilchen auf
das Magnetfeld der Erde treffen und dort mit Luftmolekülen reagieren.
Die Entladungen machen sich als Licht bemerkbar. Damit ist es ungefähr
der Entstehung eines Fernsehbildes vergleichbar.
Das
gewöhnliche grüne und auch das seltenere rote Nordlicht rühren von
Sauerstoffmolekülen her, das ebenfalls seltene blaue von
Stickstoffmolekülen. Die von der Sonne ins All geschleuderten Teilchen
bewegen sich mit bis zu 1000 Kilometern pro Sekunde durch das All. Beim
Auftreffen auf das Magnetfeld der Erde wandern sie dieses entlang bis
hin zu den Polregionen, über denen es auf Grund der Rotation der Erde
am dünnsten ist.
Einem alten asiatischen Volksglauben nach
beschert das Nordlicht demjenigen, der es einmal gesehen hat, Glück bis
ans Ende seines Lebens. Das Nordlicht ist jedoch kein seltenes
Phänomen. In Rovaniemi zum Beispiel ist es durchschnittlich in jeder
zweiten Nacht zu sehen, am häufigsten jedoch im September-Oktober und
Februar-März. Auf Finnisch heißt das Nordlicht „revontulet“ – die
Fuchsfeuer. Einer alten samischen Sage zufolge entsteht es, wenn ein
Fuchs beim Lauf über die vereisten Fjällhänge den Schwanz schleifen
lässt.
Nordlicht – das schönste Naturschauspiel
Dem
Lexikon nach handelt es sich beim Nordlicht um Lichterscheinungen, die
in den Polarregionen auftreten, wenn mit dem Sonnenwind elektrisch
geladene Elektronen und Protonen beim Auftreffen auf die äußeren
Schichten der Atmosphäre mit Sauerstoff und Stickstoff reagieren. Das
mag stimmen, aber es erfasst nicht ansatzweise die Erhabenheit dieses
einzigartigen, ergreifenden Naturschauspiels. Wer es einmal gesehen
hat, vergisst es nie.
Form und Farbe verändern sich
Normalerweise
entsteht das Nordlicht in etwa 100 km Höhe. Form und Farbe sind höchst
unterschiedlich und verändern sich während des Schauspiels. Die Aurora
kann als gewaltiges, von Westen nach Osten verlaufendes Band über den
Himmel flackern, oder in plötzlichen Entladungen aufzucken. Der
Volksmund behauptet gern, man könne das Nordlicht auch hören – dies
wird von der Wissenschaft jedoch nicht bestätigt. Immerhin würden bei
so großen Höhen Bild und Schall mit deutlicher Verzögerung eintreffen.
Wer
nach Rovaniemi kommt, um das Nordlicht zu bewundern, sollte
vorsichtshalber wenigstens eine Woche einplanen. Starkes Nordlicht kann
ebenso hell leuchten, wie der Vollmond.